Meine ersten Trainingserfahrungen im Kraftsport durfte ich in einer Kleingruppe machen. Von dieser Erfahrung profitiere ich bis heute maßgeblich, da mein Fokus bis heute auf korrekten und sauberen Ausführungen liegt.

Und genau hier beginnt auch das Problem! Seinen eigenen Körper „spüren zu lernen“ ist eine Herausforderung und ein langer Weg. Selbst wenn man gut darauf achtet diesen Pfad nicht zu verlassen, schleichen sich immer wieder Haltungs- und Ausführungsfehler ein, selbst beim Profi. Noch heute lasse ich mich regelmäßig von Trainingskollegen kontrollieren und korrigieren, sogar bei Lieblingsübungen die ich eigentlich im Schlaf mache.

Warum tue ich mir diesen Zeit- und Kostenaufwand immer wieder an, wenn ich doch selbst Trainer bin, eine fundierte Ausbildung, viel Wissen und Erfahrung habe und das eigentlich alles aus dem FF können sollte? Die Antwort ist ganz einfach: Betriebsblindheit.

Wenn ich aufhöre besser werden zu wollen höre ich auf gut zu sein!

Diesen Leitsatz kann ich auf mein ganzes Leben umlegen. Und für Freizeit- und Hobbysportler gilt dies umso mehr, selbst wenn sie nicht auf ein Ziel hinarbeiten.

 

Objektiv betrachtet.

Ich nehme mal einen durchschnittlichen Österreicher, nennen wir ihn Otto. Normale Statur, Mitte 20, nicht übergewichtig, 2x die Woche Sport, mittelmäßig gesunde Ernährung. Alles in allem keine schlechten Voraussetzungen! Nun macht dieser Otto Normalverbraucher 2x pro Woche (unter anderem) insgesamt 80 Kniebeugen (klingt mehr als es ist ????). Dabei übersieht er ein kleines Detail, nämlich seinen Rücken und die Knie. Außerdem leitet er die Bewegung unbewusst falsch ein,.. näher will ich jetzt gar nicht auf Fehlhaltungen eingehen.

80x pro Woche – vielleicht über Monate bis Jahre hinweg. Immer wieder eine falsche Belastung auf Knie, Hüfte und Rücken. In weiterer Folge vielleicht sogar mit Zusatzgewichten.

Wer errät was jetzt kommt? Richtig: Aua!

Training alleine für sich selbst ist etwas Herrliches! Ich persönlich genieße es wenn mir keiner zusieht und ich mich zu 100% auf mich selbst konzentrieren kann. Gerade zu Beginn deiner Trainingskarriere würde ich dir zu einem guten Trainer raten, der dir ein Programm auf den Leib schneidert, Wiederholungszahlen und ggf. Gewichte vorgibt und deine Ausführungen kontrolliert.

Selbstkontrolle ist auch etwas Nettes und heutzutage mit wirklich jedem Smartphone möglich, aber seien wir mal ehrlich: ein neutraler Dritter wird immer mehr sehen als man selbst. Bitte komm nicht auf die Idee dich über einen Spiegel zu kontrollieren! Sobald du deinen Blick zum Spiegel wendest verändert sich automatisch deine Haltung – ich weiß, es ist verlockend, aber lass es!

 

Ich darf nochmal auf Otto zurückkommen.

Otto hat jetzt nicht nur eine ungünstige Übungsausführung, sondern in einem Youtube Video gesehen wie cool das Training mit der Langhantel ist. Ja und weil Otto ein junger und ehrgeiziger Sportler ist packt er auch gleich ein paar Gewichte auf die Hantel. Nach zwei, drei Monaten hat Otto plötzlich Schmerzen im Knie, vielleicht sogar im Rücken. Wenn er klug ist holt er sich spätestens an diesem Punkt professionelle Hilfe in Form eines gut ausgebildeten Trainers oder Physiotherapeuten. Wenn Otto nicht ganz so klug ist wird er zukünftig die Finger von Kniebeugen lassen und immer meinen, er hätte halt ein schlechtes Knie.

Meine Ausbildung habe ich mit der Idee begonnen, das große Ganze hinter dem Training zu verstehen. Ich wollte wissen warum manches gut, anderes aber schlecht sein soll (und warum manchmal objektiv schlecht, doch gut und gut doch schlecht…. Ähm…egal, zurück zum Thema). Was im Körper passiert, und warum, wo, welche Kräfte wirken.

 

Mein Fazit.

Heute weiß ich, es gibt sie nicht, diese eine und einzige Form einer Übung. Jeder Mensch ist anders, jeder Körper hat andere Vor- und Nachteile, andere Anforderungen, Voraussetzungen und Problematiken. Das Leben formt uns unterschiedlich und besonders bei der Kniebeuge sieht man wie sehr. Und für einen unerfahrenen Sportwilligen sind hier nur wenig bis keine Unterschiede zu sehen

Ich weiß noch, meine erste Haltungs- und Bewegungsanalyse, damals noch unter schulischer Aufsicht  es war eine Katastrophe! Ein Auge für korrekte Ausführungen hatte ich – zum Glück – schon immer, aber das ganze noch benennen?! Korrigieren?! Da wars vorbei mit dem guten Auge.

Heute reicht oft schon ein Blick, wenn nötig auch ein längerer. Und genau darum geht es! Als Trainer will ich, dass du lange und erfolgreich trainieren kannst. Dein Erfolg ist auch mein Erfolg. Deine Schmerzlosigkeit und Fitness sind meine Auszeichnungen. DARUM ist Kontrolle so wichtig.