Beinahe täglich konfrontiert mich ein Kunde, Freund oder Bekannter mit der Frage nach meiner – offenbar endlosen – Motivation:

  • warum ich bei Regen in den Laufschuhen stecke?
  • wie ich nach zwei Gruppenstunden noch selbst ins Gym fahre um an mir zu arbeiten?
  • weshalb ich sonntags bei Sonnenaufgang mit meinem Reifen durch Wien ziehe um ein geeignetes Plätzchen für ein Foto zu finden?

 

Die tägliche Herausforderung.

Als Morgenmensch ist es relativ einfach seine Motivation – besonders im Frühjahr – aus der Sonne zu ziehen. Wenn die Welt rund um einen erwacht, alles blüht und die Vögel um die Wette zwitschern zieht es mich einfach vor die Tür. Oft wache ich lange vor dem ersten Weckerklingeln auf und suche mir eine neue Herausforderung.

Leider mache ich meinen Job aber nicht nur im Frühjahr sondern darf mich auch durch quälend heiße Sommer und einen gatschig-nassen Wiener Winter plagen. Zudem haben die wenigsten Menschen mein Guten-Morgen-Gute-Laune-Gen. Meist wird mein Vorschlag, doch um 5 Uhr früh zu trainieren, mit einem schiefen Lächeln abgewiesen. Kurzum – ich muss mich dann motivieren, wenn meine Kunden Zeit und Laune haben 😉 Vorzugsweise zur für mich schlechtesten Zeit überhaupt: abends.

Wer nicht das Privileg eines Nachmittagsschlaferls genießen kann, steht als Morgenmensch hier vor seinem ersten Problem: dem wach bleiben. Starker Kaffee in rauen Massen ist an diesen Tagen mein ständiger Begleiter. Auch eine gesunde, ausgewogene und gut getimte Ernährung helfen mir dabei mit Energie und Motivation meinen Tag zu bestreiten.

 

Essentiell ist jedoch die Herangehensweise an das Training. Macht es dir keine Freude wird es nicht viel bringen. Ein gutes Workout hinterlässt ein angenehmes, zufriedenes Gefühl. Training kann selbstbelohnend wirken! Die müden Muskeln, das angenehm matte Gefühl nach einer intensiven Einheit kann mir mentale Energie für den ganzen Tag geben, egal wie lange dieser schon dauert. So ist es auch logisch, dass ich mein eigenes Workout nicht an das Training mit meinem Kunden koppeln darf! Es sind nicht meine persönlichen Bedürfnisse die hier befriedigt werden wollen, sondern die des Kunden, dessen positiver Zugang dazu ein Teil meines Jobs ist.

Der beste Trainingsplan ist sinnlos, lässt er sich nicht in den Alltag integrieren. Er muss zum Leben und den Gewohnheiten des Einzelnen passen. Ich persönlich empfehle zum Einstieg eine Sportart die man nur lieben kann: Poledance!

 

Meine erste Polestunde.

Ich erinnere mich einige Jahre zurück. Ich stand mit Leggins und langem Top in der Klasse, musterte die Teilnehmer unsicher und fühlte mich sichtlich unwohl in meiner Haut. Der erste Spin – eine Katastrophe aus heutiger Sicht – und so stolz war ich darauf. Genau dieser Stolz hat etwas ausgelöst: einen Ehrgeiz, ein Feuer das bis heute brennt, auch wenn der Weg weit war. Poledance war mein Einstieg in ein bewegtes Leben. Der Grundstein für alles was danach kam war der Beginn einer großen Liebe: der Sport im Allgemeinen.

 

Zurück zu meiner ersten Poledance Erfahrung! Mit einer Stunde in der Woche war ich vollkommen ausgelastet. Die Hände brannten, die Schultern hab ich gar nicht mehr gespürt. Mein Mann lacht bis heute wenn er daran denkt, dass ich vor lauter Kraftlosigkeit die Hände nicht mehr über den Kopf heben konnte. Da Poledance nunmal ein optisch sehr schöner Sport ist, der ein Ego wie das meine natürlich füttert, blieb ich am Ball. Aus einer Stunde pro Woche wurden schnell zwei, dann drei, dann vier,.. und dann war es erstmal vorbei.

Pole ist toll! Meine Liebe gehört der Stange – und trotzdem pausiere ich heute regelmäßig. Dadurch versuche ich meinen Körper mit ausgeglicheneren Sportarten wieder in die Balance zu bringen. Diese Erkenntnis, die mein privates und berufliches Leben maßgeblich mitentscheiden sollte, kam aufgrund einer Verletzung. Bis heute, Jahre später, kämpfe ich gegen eine Rückenverletzung die mir ein zu schwungvoller Invert eingebracht hat.

Dann wars erstmal wieder vorbei mit dem Sport – nicht aber mit der Motivation! Ich war angefixt, wollte Bilder produzieren, gut werden und “etwas zeigen können”. Der logische Weg war der Weg zum Kraftsport. Hier rechnete ich mir die besten Chancen auf ein Vorankommen und einen positiven Ausgleich meines Rückenleidens aus. Der Rest ist eine andere Geschichte die ich bei Interesse gerne erzähle. Sagen möchte ich damit eigentlich nur, dass man diesen Funken braucht! Diese eine Sache die einem Freude macht. Zu der man sich nicht zwingen muss, sondern die einfach passiert und ein gutes Gefühl hinterlässt.

 

Der erste Schritt ist zu erkennen wer man ist.

Bin ich morgens motiviert? Doch eher Abends? Oder liegt meine beste Zeit doch irgendwo dazwischen? Mir sind auch schon regelrechte Nachtschwärmer untergekommen die um 3 Uhr früh die Hanteln schwingen! Besonders zu Beginn ist es gut, möglichst optimale Bedingungen zu schaffen. Wohlfühlen, positive Verknüpfung und persönlicher Erfolg sind wesentliche Bestandteile der Motivation – nicht nur im Sport.

Gemeinsam geht alles leichter. Schnapp die beste Freundin, den Nachbarn oder den Arbeitskollegen und macht euch einen verbindlichen Termin. Absagen gilt nicht! Macht ihn zu einem Fixum in eurem Alltag, eine Stunde pro Woche kann wirklich jeder aufwenden.

  • Sei stolz auf dich! JEDES Workout ist besser als kein Workout! Und du bist jedem, der auf der Couch sitzen geblieben ist, um Meilen voraus!
  • Dokumentiere dein Tun! Mach Fotos, Videos, oder ähnliches. Du leistest etwas, das darf man auch zeigen und nochmal: SEI STOLZ AUF DICH!
  • Belohne dich! Für mich ist es ein gutes Essen, wenn ich meine Ziele der Woche erreicht habe. Das kann aber auch ein neues Laufdress oder Poledance-Outfit sein. Du hast etwas geleistet also sieh stolz auf das zurück was du getan hast und gönne dir etwas, dass dir Freude macht.

 

Sei dir selbst genug.

Wohl meine wichtigste Regel wenn es um die Motivation geht. Es wird immer jemanden geben der besser, schneller oder schöner ist. Vorbilder sind gut und wichtig, wenn einem dies aber innerlich stresst – und ich bin definitiv der Typ dafür – mach dir klar, dass du viel erreichen kannst und mit dem nötigen Einsatz vermutlich auch sehr weit kommen wirst, ganz egal in welchem Alter oder mit welchen Voraussetzungen du beginnst. Mach dir aber auch klar, dass es über kurz oder lang Opfer fordern wird. Zeit ist hier nur das Offensichtlichste.

Ich persönlich sehe Sport als einen Lifestyle, obwohl er Anfangs nur ein Mittel zum Zweck war (Schmerzfreiheit und Fortschritt an der Stange), der sich wie ein roter Faden durch meinen Alltag zieht. Diese “Sucht” musste erst wachsen und gedeihen. Neben Menschen die mir in schwierigen Zeiten den Rücken frei gehalten haben damit ich weiter kommen konnte, war eine eigene, innere Motivation – gefüttert von meiner Bilderliebe, wer meinen Instagram Account kennt weiß was ich meine – meine größte Stärke und Hilfe.